
Sie dürfte zweifellos der erste wahre "Vamp" der Filmgeschichte sein: die amerikanische Schauspielerin Fern Andra als blutlüsterne Femme Fatale in dem Stummfilm "Genuine - A Tale of a Vampire" von Robert Wiene, Berlin 1920.Neben Henny Porten und Asta Nielsen war Fern Andra (1894-1974)eine der beliebtesten und bekanntesten Schauspielerinnen des deutschen Stummfilms der 1910er Jahre. Darüber hinaus war sie Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin, in Berlin gründete sie 1916 in der Chausseestraße 42 das Fern-Andra-Filmatelier.
Regisseur Robert Wiene produzierte "Genuine" gleich im Anschluss an sein Meisterwerk "Das Cabinet des Dr. Caligari", um an den Erfolg dieses Films anzuknüpfen.
"Genuine" erzählt die – von einem Maler geträumte – Geschichte der jungen Genuine, die von einer orientalischen Sekte zur Priesterin gemacht und in blutrünstige Rituale hineingezogen wird. Sie wandelt sich unter dieser Erfahrung selbst zu einer grausamen Persönlichkeit und bleibt dies auch, als sie von Sklavenhändlern geraubt und auf einem Markt feilgeboten wird.
Ihr Käufer ist der voyeuristische alte Lord Melo, ein Sonderling, der die junge Frau in ein käfigartiges, von einem hohen Wall umgebenes Haus einschließt und aus Eifersucht keinem Fremden Zutritt gewährt. Nur den ebenfalls eigenbrötlerischen alten Barbier Guyard lässt er täglich kommen, um sich rasieren zu lassen.
Als Guyard eines Tages verhindert ist und als Ersatz seinen Neffen und Lehrling Florian schickt, nimmt die Tragödie ihren Lauf. Genuine betört den jungen Barbier, der dem alten Tyrannen mit dem Rasiermesser die Kehle durchschneidet.
Genuine nutzt ihre wiedererlangte Freiheit, um ihre Blutgier zu stillen und als Femme fatale alle verfügbaren Männer zugrunde zu richten: als Liebesbeweis fordert sie von ihnen den Selbstmord. Ihr blutiges eigenes Ende findet sie, als der auf der Suche nach dem wahnsinnig gewordenen Barbier befindliche Mob in das Haus eindringt und Genuine ersticht.

